Die Sauerkirsche - eine kleinwüchsige Obstart

Die Sauerkirsche – eine kleinwüchsige Obstart

Wer Liköre, Marmeladen oder Kuchen liebt und selbst herstellen möchte, kommt an Sauerkirschen nicht vorbei. Sauerkirschen haben mehr Aroma als Süßkirschen und manche Sorten sind gar nicht so sauer wie viele denken. Insbesondere denke ich an die Sorte „Morellenfeuer“, die sehr erfrischend ist.

Die Weichsel war ein sehr beliebter Gartenbaum, da dieser als kleinwüchsige Obstbaumart in den Hausgärten meistens einen Platz fand. In den letzten 10 bis 15 Jahren ist die Weichsel aber in vielen Gebieten aus den Gärten verschwunden. Der Grund für diese Entwicklung war, dass die Weichselsorte „Schattenmorelle“ als überwiegend selbstfruchtende Sorte ausgepflanzt wurde. Doch war diese Sorte stark anfällig für die Pilzkrankheit Blüten- und Zweigmonilia. So starben viele Sauerkirschbäume ab.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Sorten, die einen Anbau im Hausgarten möglich machen. Der Vorteil besteht auch darin, dass es im Gegensatz zur Süßkirsche bezüglich dem „Platzen der Kirsche“ keine wesentlichen Probleme gibt.

Standort

Der ideale Standort der Kirsche ist ein humusreicher, etwas mit Sand durchsetzter Boden. Solche Böden zeichnen sich durch einen großen Reichtum an Mikroorganismen aus und sind so ein guter Pflanzenstandort.

Anbauformen

In niederschlagsreichen Gegenden ist die Sauerkirsche am Spalier zu empfehlen. Sie ist unter dem Hausdach geschützt. So wird die Anfälligkeit für Schrotschuss und die Blütenmonilia stark reduziert. Die Rundkrone eignet sich als kleinkroniger Hausbaum und Gestaltungselement im Garten gut.

 

Empfehlenswerte Sauerkirschensorten

Morellenfeuer: Diese Sorte reift Mitte Juli. Der Ertrag ist hoch und regelmäßig, jedoch ist sie anfällig für Krankheiten. Morellenfeuer ist für den Frischverzehr gut geeignet, aber besonders für die Saftverarbeitung ein guter Tipp.

Ungarische Traubige: Die Sorte reift ca. Ende Juli und zeichnet sich durch hohe Zucker- und Säurewerte aus. Sie ist universell einsetzbar und sehr wüchsig und vor allem wenig anfällig für Blüten- und Zweigmonilia. Sie ist selbstfruchtbar, aber die Gemeinschaft mit anderen Sauerkirschensorten wie die Schattenmorelle, Morina oder Morellenfeuer helfen den Ertrag deutlich zu steigern.

Köröszer II: Diese Sorte aus Ungarn ist eine frühreifende Sauerkirschensorte (dritte bis vierte Kirschwoche). Sie zeichnet sich durch ihre dunkelrot gefärbten sehr großen Früchte aus. Köröszer II bringt regelmäßige, mittelhohe Erträge. Sie ist aufgrund ihrer geringen Säure für den Frischverzehr geeignet, ist nur teilweise selbstfruchtbar, festfleischig und daher sehr gut transportfest.

Saskia: Auch diese Sorte zählt zu den Frühsorten. Sie ist dunkelrot gefärbt und wird geschmacklich als sehr interessant eingestuft. „Saskia“ eignet sich auch sehr gut für den Erwerb im Frischmarktsegment sowie für die Direktvermarktung und den Hausgarten. Als selbstfruchtbare Sorte erzielt sie sehr zufriedenstellende Erträge.

Gerema: Diese bekannte Sorte wurde in der Forschungsanstalt in Geisenheim (D) gezüchtet. Gerema ist eine dunkle und feste kleine Frucht. Sie blüht sehr spät und ist selbstfruchtbar. Positiv hervorzuheben ist, dass sie eher robust gegen Monilia und Sprühfleckenkrankheit und daher für den Hausgarten zu empfehlen ist. Vom Ertrag zählt sie nicht zu den leistungsfähigen Sauerkirschensorten.

Schattenmorelle: Diese Sauerkirschensorte war in Tirol (A) sehr weit verbreitet, wurde jedoch durch Blütenmonilia stark zurückgedrängt. Sie ist eine selbstfruchtbare Sorte und für die Saftgewinnung sehr gut geeignet. Aufgrund der extrem hohen Anfälligkeit gegen die Blütenmonilia empfiehlt sich die Schattenmorelle nur in Gebieten mit wenig Niederschlag.

Morina: Eine sehr saftige, fleischige und braunrote große Sauerkirschensorte. Sie reift im Juli, ist eher süß säuerlich und gut für die Saftherstellung geeignet. Sie ist teilweise selbstfruchtbar. Mehrere Sorten steigern den Ertrag jedoch deutlich. Insbesondere ist Morina für Monilia und Sprühfleckenkrankheit wenig anfällig.

Safir: Eine dunkel- bis schwarzrote, matt glänzende, weiche bis mittelfeste Frucht. Wenig anfällig für Monilia und Sprühfleckenkrankheit. Die Sorte ist selbstfruchtend.

 

Was bedeutet „selbstferil“ und „selbststeril“?

Wer Kataloge liest stößt oft auf Begriffe wie selbststeril (benötigen einen Pollenspender) und selbstferil (selbstfruchtend). Wer in seinem Garten Obstbäume pflanzt, sollte sich mit diesen Begriffen vertraut machen. Für Befruchtung und Ertrag sind dies entscheidende Begriffe.
Blüten, die sich mit dem eignen Pollen (Blütenstaub) befruchten können, werden als selbstferile (selbstfruchtende) Sorten bezeichnet. Sorten, die einen Pollenspender der gleichen Art benötigen, nennen wir selbststeril (nicht selbstfruchtend).

Bei den Sauerkirschen oder auch Marillen gibt es selbstfruchtende (selbstferile) und nicht selbstfruchtende (selbststerile) Sorten. Daher empfehle ich, sich beim Pflanzen auch über die Fruchtbarkeit der einzelnen Sorten ausführlich bei einem erfahrenen Fachmann zu erkundigen.

VIKING Garten-Experte
Ing. Manfred Putz

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